Leipzig - Standing Ovations für David Garrett

10.11.2012 von Claudia Bernig, Franziska Lange (Fotos)

„Rock Anthems“ konnten gestern Abend in der Arena Leipzig nicht nur gehört, sondern erlebt werden. David Garrett und die Philharmonie Frankfurt luden die Gäste auf ihrer Reise durch die Musikgeschichte ein.

Die schon vor Beginn des Konzertes entspannten und glücklichen Menschen wurden mit einer rasanten Eröffnung begrüßt. Eine Lasershow im Konzertsaal während des noch geschlossenen Vorhangs erhöhte die Spannung des mittlerweile zu hörenden „Welcome to the jungle“ von Guns N´ Roses. Der Vorhang fiel zu Boden und das spielende Ensemble konnte nun auch visuell genossen werden. David Garrett stand erhöht auf einer Säule und vier Tänzerinnen heizten zusätzlich die Stimmung an. Am Abschluss dieser Eröffnung gab es eine Feuershow, die noch mehr Spannung für den Abend erwarten ließ.

David Garrett ließ es nicht aus, zwischen den Songs kleine Anekdoten zum Besten zu geben, die das nächste Lied einleiteten oder einfach die Atmosphäre auflockerten. So zeigte er dem Publikum z. B. anhand von Reisephotographien, wie er sich in Bangkok auf dem Schwarzmarkt darüber freute, zwei Plagiate seiner Konzert-DVDs entdeckt zu haben. „Ich freute mich, es sogar auf den Schwarzmarkt geschafft zu haben… Mein Management natürlich nicht.“ Damit bewies er, dass er nicht nur musikalisch, sondern auch humorvoll, sogar selbstironisch ist, was ihn damit sehr sympathisch werden lässt. Die Nähe zum Publikum wurde auch dadurch gesucht, indem Herr Garrett, Geige spielend, die Bühne verließ und sich neben ein kleines Mädchen setzte, direkt eine Reihe hinter der unseren. Und auch wir erlebten ihn und die Leichtigkeit seines Spiels dadurch hautnah mit. Nach diesem Song gab es wieder humorvolle Bilder und Anekdoten, so dass David Garrett die Lacher und damit das Publikum auf seiner Seite hatte. Auch bei der später gespielten „Fluch der Karibik“- Titelmelodie kam Feuer zum Einsatz. Die als Piratenbräute verkleideten Tänzerinnen trugen Fackeln und Herr Garrett freute sich sichtlich, diese Melodie spielen zu dürfen. Man erkennt, dass Musik seine Leidenschaft ist, da bei allen gespielten Stücken Emotionen durch seine Mimik ausgedrückt wurden, die die Zuschauer mitfühlen ließen.

Wieder folgte eine amüsante Geschichte, dass Herr Garrett ein eher nicht ordentlicher Typ sei. „Bei mir herrscht absolutes Chaos im Hotel.“ Dies hätte allerdings wohl gemerkt den Vorteil, dass ein Einbrecher gar nicht zum Zuge käme, da er sich sagen würde: „Ich bin zu spät, hier war schon jemand.“

Während des Geigenspiels nutzte David Garrett immer wieder die ganze Bühne. Er ging die Treppe der Bühnengestaltung hinauf und hinab, als wäre es das Einfachste der Welt. Er spielte nicht als Einzelkämpfer, sondern mit der Philharmonie und den Solisten gemeinsam und auch die anderen Musiker präsentierten ihr Können. Dabei denken wir doch das ein oder andere Mal verstohlen, dass das ein Wahnsinns-Gefühl sein muss, mit einem solchen Orchester zu spielen und dennoch im Mittelpunkt zu stehen. Bevor das letzte Stück „Pipers“, ein schottisches Volkslied, vor der Pause dargeboten wurde, erfährt das Publikum von dem schottischen Einfluss seiner Mutter, wodurch der Nachname Garrett zu erklären sei.

Nach der Pause ging es, mit dem für uns gelungensten Bühnenbild und dem Titel „Sandstorm“ weiter. Feuer, Qualm, Licht, Laser, die Tänzerinnen und natürlich David Garrett…es war ein toller Anblick. Eine brillante Idee wurde dem Publikum präsentiert, bei der, während des Geigenspiels, Herr Garrett seinem Team, seinen Freunden und seiner Familie durch Portraitfotos und Dankestexte zu jeder einzelnen Person dankte. Eine weitere Anekdote leitete das „Sabre Dance“ ein. David Garrett hatte New York verlassen und befand sich gerade in Tokio. Er erhielt einen Anruf seines Hausmeisters in New York, die Musik endlich leiser zu stellen, die Party sei nun vorbei. Wie konnte das sein, er, David, war doch gar nicht in New York? Dann fiel ihm ein, den Aufweckmodus seiner Musikanlage vergessen zu haben, der auf eine hörbar laute Stufe eingestellt war. Deshalb lief das ganze Wochenende ein Metallica-Live-Konzert in voller Lautstärke.

Vor der gespielten Bond-Theme gab uns Herr Garrett einen Hinweis zum dazu auf der Leinwand zu sehenden Film. „Daniel Craig ist zu teuer, deshalb gibt es nur einen zweitklassigen Bond-Darsteller im Hintergrund.“ Musik wurde gespielt, der Film begann und Landschaft war zu sehen, Musik, Film, Musik…und der Bond-Darsteller kam ins Bild. Langsam wurde die Silhouette sichtbarer und… David Garrett selbst erschien als Bond. Was für ein Anblick. Was für eine Begeisterung. Hierbei stellten wir abermals fest; es ist nicht nur eine Freude, Herrn Garrett zuzuhören, sondern ihm ebenso zuzusehen. Und ich muss es nochmals betonen - durch seine Selbstironie ist Herr Garrett überaus sympathisch, was ich ihm, ehrlich gesagt, nicht zugetraut hätte. Und abermals bezauberte David Garrett einen Gast aus dem Publikum. Diesmal durfte die Auserwählte, der es auf die Befindlichkeitsfrage „gut“ ging, neben ihm auf dem Kanapee Platz nehmen, und Herr Garrett spielte nur für sie. Dabei rutschte er näher, und näher, und näher. Aber souverän meisterte die Dame ihren Kurzauftritt. Nach dieser besonderen Showeinlage kam der Höhepunkt des Abends. David Garrett schwebte zu „Smells like teen spirit“ von Nirvana über das Publikum hinweg. Was für eine Leistung, schwebend Geige zu spielen.

Die zu Beginn erwartete Spannung wurde also nicht enttäuscht, sondern sogar übertroffen. Wir bekamen nicht nur ein klassisches Konzert präsentiert, sondern auch ein Rockkonzert, ein Metalkonzert, eine Feuer- und Lasershow. Die Atmosphäre im Saal war zu keiner Zeit langweilig, immer war es spannend und abwechslungsreich durch die Beleuchtung, die Lasershow, die witzigen Anekdoten und natürlich, und dafür waren wir alle dort, durch den sagenhaften, ehrlichen Auftritt David Garretts und seinem grandiosen Geigenspiel. Es war ein wirklich gelungener Abend mit einem Bekenntnis an die Musik, was das Publikum durch Standing Ovations dankte.


Leipzig - Standing Ovations für David Garrett
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